Ein kleines Häuschen auf dem Lande...

Irgendwann im Juni 2002, Christina und ich waren noch gar nicht so lange zusammen, war ihre Mutti bei uns zu Besuch und erzählte beiläufig von einem alten Häuschen (in einem Ort den ich mir damals noch gar nicht merken konnte), das Christinas Großeltern gehörte und nun schon viele Jahre leer steht. Da es aber von niemandem gepflegt wurde wollten sie es jetzt verkaufen. Es dauerte eine Weile, bis der Gedanke an ein eigenes Häuschen auf dem Land in uns reifte. Wir überlegten, diskutierten, phantasierten bis wir uns einig waren und uns entschlossen, das Häuschen zu übernehmen. Einige Tage später machten wir uns auch schon auf dem Weg nach Persenbeug (so heißt der Ort), um das Haus zu besichtigen.

Das Haus liegt an der Hauptstraße und ist an der Vorderseite völlig mit Efeu überwuchert. Sogar die Fenster waren fast zugewachsen! Leider wächst der Efeu aber auch schon ins Dach was den Ziegeln nicht sehr gut tut und es ist ein kleines Wunder, dass das Dach noch dicht ist.


Das Grundstück hat etwa folgende Form:

Die Grundstücksfläche beträgt etwas über 600m2 und die vom Haus ca. 64m2. Das Haus war wie eine Reise mit einer Zeitmaschine. Man hatte nicht den Eindruck, das es 15 Jahre leergestanden ist. Das Bett war gemacht, die Zahnbürste in ihrem Becher, in der Abstellkammer waren sogar noch Konserven. Aber man merkte sofort, dass hier eine andere Generation gelebt hat.

Der Grundriss des Hauses sieht folgendermaßen aus:

Erdgeschoss: Dachgeschoss

Zimmer für Zimmer haben wir dann das Haus und den Garten erkundet...

Der Garten wirkte eigentlich gepflegt, nur die Bäume waren schon etliche Jahre nicht mehr geschnitten worden und daher völlig unkontrolliert gewachsen. Damals habe ich mich vor allem darüber gefreut, dass ich jetzt endlich einen wirklichen Garten habe. Zimmerpflanzen sind ja ganz nett, aber ein ganzer Garten.... :-)

Auf der linken Seite steht noch ein alter Schuppen, der mit Holz, Kohle und alten Werkzeugen vollgeräumt ist.

Das Innere der Wohnung wirkte wie ein Museum. Vor allem sah es wirklich so aus, als würde noch jemand darin wohnen. Die IKEA Tüte ist allerdings von uns :-) Am beindruckensten war das Schlafzimmer. In dem Haus gab es ursprünglich nur einen Ofen in der Küche und sonst im ganzen Erdgeschoß keine andere Heizquelle.

Man sieht es auf den Bildern leider nicht, aber das Bett bestand aus unzähligen Schichten aus Matratzen und Decken, teilweise sogar Zeltplanen, die aus dem letzten Weltkrieg stammen könnten. Es roch auch im ganzen Haus sehr eigenartig.

Im Arbeitsraum standen wunderschöne alte Möbel, unter anderem ein Klavier, ein Sekretär und ein alter Schrank, vollgeräumt mit Büchern. Hier wird es noch sehr viel zu entdecken geben... Leider lagen am Boden Sägespäne, was auf Holzwürmer schließen lässt. Auffallend waren auch die vielen Heiligenbildchen, Kreuze und Madonnen die im ganzen Haus aufgestellt waren. Ein typisches Zeichen für das sehr konservative und katholische Landleben.

Über eine sehr schöne Holztreppe geht es dann hinauf in das Dachgeschoß. Im ganzen Haus, außer der Küche, sind die Zimmer mit einem gut erhaltenen Holzboden ausgelegt.

Kommt man nach oben fällt der Blick zunächst ins Badezimmer. Da das Badezimmer links eine Dachschräge hat und rechts ein großer Boiler hängt, frage ich mich, wie man dort überhaupt baden konnte. Aber uns wird schnell klar, dass wir das Badezimmer komplett neu machen müssen.

Dieses Zimmer haben wir sofort zu unserem zukünftigen Schlafzimmer erklärt. Rechts sieht man einen kleinen Balkon mit Blick auf den Garten..


Natürlich dauerte es nicht lang, bis wir in den vielen alten Büchern zu stöbern begannen. Vom Knigge aus den 50ern bis zu schlüpfrigen Witzheften aus den 20ern war alles zu finden...

Die Arbeit beginnt...

Das Wichtigste war zunächst einmal, das ganze Haus leerzuräumen, um wirklich etwas arbeiten zu können. Hierbei (und bei vielem anderen) haben uns Christinas Eltern sehr geholfen, da sie im Sommer nicht weit weg von Persenbeug wohnen. Man steht plötzlich vor Problemen, die man sonst gar nicht kennt. Wie werde ich z.B. möglichst günstig sehr viel Müll los? Christinas Eltern haben Stück für Stück die Mülltonnen angefüllt, und im Laufe der Zeit wurde es immer Leerer im Haus.

Nun begann auch die Zeit, in der Prospekte von Baumärkten plötzlich sehr interessant wurden. Ich musste mir natürlich jede Menge Werkzeug kaufen und unter anderem fanden wir auch einen günstigen Whirlpool :-) Der stand aber erst mal im Wohnzimmer, bis das Bad soweit war gab es noch sehr viel zu tun. Wir mussten zum Glück auch nicht alles auf den Müll werfen. Den Herd, der zwar 15 Jahre alt war aber trotzdem nie benutzt wurde, konnten wir gut verkaufen und auch viele andere Sachen wurden zumindest Flohmarktware.
Das erste Zimmer das ich anging war das Bad. Erst mal die Badawanne raus, dann die Fliesen und schließlich auch noch die Heraklitplatten am Dach, das sollte ja eine anständige Isolation bekommen. Man glaubt es kaum wieviel Dreck dabei anfällt... Immerhin half mir Olaf manchmal dabei, da konnten wir dann unseren ungehemmten Zerstörungstrieb ausleben :-) Die Wasserleitungen wollte ich eigentlich soweit wie möglich wiederverwenden. Allerdings hatte ich damals schon ein ungutes Gefühl, weil die Leitungen recht "seltsam" verlegt waren und auch nicht wirklich sicher war, ob sie vielleicht vom Winterfrost beschädigt worden sind. Doch vorher habe ich mit Olaf erst mal das alte Dachfenster ausgebaut und ein schönes Modernes eingebaut. Ich glaube das haben wir ganz gut gemacht.

Ich machte mir auch schon darüber Gedanken, wie wir das Haus in Zukunft beheizen werden. Da wir im Winter eigentlich nicht dort wohnen wollten, reichte eigentlich eine kleine Heizung aus. Schließlich entschied ich mich für eine Pelletheizung, die ich zu einem besonders guten Preis bekam! Etwas größeres hätten wir uns aber auch nicht leisten können :-) Den 160kg Ofen in die Wohnung zu schleppen war noch eine kleine Herausforderung, aber wie man sieht haben wir es dann doch geschafft!

Inzwischen war es schon Herbst geworden. Im Oktober kamen meine Eltern zu Besuch und mein Papa verlegte im ganzen Haus den Strom neu. Es ist schwierig in einem Haus elektrische Installationen durchzuführen wenn man nicht weiß, wo welches Kabel herkommt und hingeht. Aber auch das war nun erledigt und das erste Arbeitsjahr ging zu Ende.